Bulgarien, Vtora Liga (2.Liga)
Freitag, 28. Juli 2023, 18.30 Uhr
Sofia, Stadion Dragalevtsi
Ein kompletter Tag steht mir heute in Sofia zur Verfügung und den will ich – neben Fußball – intensiv für Kultur nutzen. Ein paar Evergreens, die man sich immer in Sofia anschaut, aber auch ein paar interessante Ecken, in denen man keine Touristen sieht. Letzteres trifft auf den nationalen Kulturpalast von Sofia zu. Er hat eine eigene Metro-Station und weil ich durch die in den vergangenen Tagen immer mal wieder durchgefahren bin, interessiert es mich, was sich denn so hinter diesem typisch kommunistisch klingenden Namen verbirgt. Und in der Tat ist das zwischen 1978 und 1981 erbaute Betonmonstrum ein typisch kommunistisches Monstrum. Anlass für den Bau war das 1.300-jährige Bestehen Bulgariens im Jahr 1981. Ähnlich wie er Palast der Republik in Ost-Berlin wurde der nationale Kulturpalast als Multifunktionsgebäude konzipiert, in dem einerseits kulturelle Veranstaltungen stattfanden, aber auch Parteitage der kommunistischen Partei. Noch heute finden dort Konzerte statt. Leider kann man ihn ansonsten nicht von innen besichtigen. Insbesondere mit den pompösen Außenanlagen – ganz im Stil der 1970er-Jahre – wirkt der Koloss wie aus der Zeit gefallen. Weiter geht es zur Alexander-Nevski-Kathedrale, die eine der größten orthodoxen Kathedralen der Welt ist und in dem die bulgarisch-orthodoxe Kirche ihren Sitz hat. Die habe ich mir bis jetzt jedes Mal angeschaut, wenn ich in Sofia bin – denn orthodoxe Gotteshäuser mit ihrem ganz eigenen, mystischen Flair finde ich unglaublich beeindruckend. Danach folgt wieder ein eher unbekannter Spot, nämlich der Zhenski Pazar (Frauen-Basar), der als der älteste Basar von Sofia gilt. Leider ist er relativ unspektakulär, aber man kann in den umliegenden Restaurants sehr günstig essen. Gleich um die Ecke befinden sich die große Synagoge von Sofia und die Banja-Baschi-Moschee, die ich ebenfalls noch mitnehme. Die Zeit vergeht schnell, so dass schon wieder König Fußball ruft. Abermals geht es zur Metro-Endstation Vitosha, von wo aus auch ein Bus zum Stadion Dragalevtsi fährt. Ebenso ist ja das vergangene Woche besuchte Stadion des Fan-CSKA mit dem Bus von der Vitosha-Station aus am besten zu erreichen. Ziel ist diesmal der FK Septemvri Sofia (bulgarischer Pokalsieger von 1960; am in der Folgesaison erstmals ausgetragenen Europapokal der Pokalsieger nahm der bulgarische Fußballverband noch nicht teil), der im November 1944 gegründet wurde. Namensgeber ist die Revolution vom 9. September 1944, bei der die bulgarischen Kommunisten putschten und so den Einmarsch der Roten Armee ermöglichten. Bulgarien war bis dahin – genau wie im Ersten Weltkrieg – mit Deutschland alliiert. Diese pro-sowjetische September-Revolution von 1944 ist heute in Bulgarien nicht mehr so en vogue und ich habe bislang noch keinen Platz und keine Statue gesehen, die an sie erinnert. Darum wundert es mich ein bisschen, dass der FK Septemvri Sofia weiterhin an diesem Namen festhält. Allerdings muss man auch ehrlich sagen, dass er eine absolut graue Maus ist und kaum Zuschauer hat, weshalb er auch regelmäßig das Stadion wechselt. Schillernd ist dafür der aktuelle Trainer, nämlich Krassimir Balakov, der von 1995 bis 2003 für den VfB Stuttgart spielte und dort zusammen mit Fredi Bobic und Giovane Elber das berühmte Magische Dreieck bildete. Keine Ahnung, was den dazu reitet, bei einem derart belanglosen Zweitligisten anzuheuern. Aber er tingelt ja schon sei 2014 als Trainer durch Bulgarien, allerdings nur mit mäßigem Erfolg und nie irgendwo länger als zwei Jahre. Viel los ist hier ansonsten wie erwartet nicht und dass man statt einer Eintrittskarte nur einen Kassenbon am Eingang erhält, ist sinnbildlich für diese ganze Veranstaltung. Abhaken – und dann wieder ab in den Happy Grill.





























































