Bulgarien, Prva Liga (1.Liga)
Samstag, 29. Juli 2023, 21.15 Uhr
Blagoevgrad, Stadion Hristo Botev
Am heutigen Samstag steht eine Fahrt an, auf die ich mich besonders gefreut habe – denn Ziel ist das Pirin-Gebirge. Das dürfte schon allein landschaftlich interessant sein, schließlich zeichnet die bulgarische Bahn auf jeder ihrer Landkarten ein, dass der dortige Bahnhof Avramovo mit 1.267 Metern der höchstgelegene des Balkans ist. Interessant finde ich das Pirin-Gebirge aber vor allem deshalb, weil des den bulgarischen Teil Makedoniens/Mazedoniens bildet. Wir haben in der deutschen Sprache leider das Problem, dass wir das antike Makedonien und die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Mazedonien sprachlich voneinander unterscheiden. In anderen Sprachen gibt es diese Unterscheidung nicht, dort heißt beides Makedonien. Und genau darauf fußt der Namensstreit zwischen Griechenland und (Nord-) Mazedonien. Denn zu Griechenland gehört zwar lediglich der südliche Teil des antiken Makedoniens, aber man sieht sich als der einzige legitime Nachfolger, weil in (Nord-) Mazedonien nur später zugewanderte Slawen leben, die somit nicht hellenischer Abstammung sind. Griechenland übte lange internationalen Druck aus, so dass sich Mazedonien schließlich offiziell in Nordmazedonien umbenannte. Auch seine Flagge mit dem Stern von Vergina (Wappen des griechischen Volkshelden Alexander dem Großen) musste (Nord-) Mazedonien bereits 1995 auf griechischen Druck hin abändern. Keine so große Rolle spielt in dieser Diskussion der Osten von Makedonien/Mazedonien, der zu Bulgarien gehört und wie gesagt ziemlich genau das Pirin-Gebirge umfasst. Ich bin hier in den vergangenen Tagen ja oft den antiken Spuren Bulgariens begegnet, die durchaus eine Rolle für die nationale Identität spielt. Auch reichte Bulgarien nach dem Vertrag von San Stefano vom 3. März 1878 mal ein paar Monate bis hinunter an die griechische Küste samt der Städte Kavala, Xanthi, Drama, Serres, Kilkis, Edessa und Kastoria (nicht aber Saloniki) und verleibte sich in dieser Zeit auch das heutige Mazedonien ein, womit Bulgarien eine Art Groß-Makedonien bis zum 13. Juli 1878 (Vertrag von Berlin) bildete, was zeigt, dass man seine Fühler durchaus in diese Richtung ausstrecken möchte. Heute allerdings ist das nicht mehr wirklich wahrnehmbar und um es vorweg zu nehmen: Ich werde heute nicht ein einziges Mal irgendwo das Wort Makedonien sehen. Mein Ziel ist Blagoevgrad, mit 70.000 Einwohnern sozusagen die Hauptstadt des bulgarischen Teils von Makedonien/Mazedonien. Eigentlich heißt die Stadt Gorna Dschumaja, wurde jedoch 1950 zu Ehren von Dimitar Blagoev umbenannt. Er war Gründer der kommunistischen Partei Bulgariens und stammte aus Makedonien (geboren in Kastoria, heute Griechenland). Gorna Dschumaja selbst wurde erst 1913 bulgarisch und gehörte zuvor zum Bezirk Saloniki. Etwaige Spuren aus dieser Zeit finden sich in der Stadt heute aber wie gesagt nicht mehr. Stattdessen viele heruntergekommene Plattenbauten, aber auch eine recht hübsche Innenstadt, an deren Ende der wuchtige, 1987 eröffnete Theaterplatz steht. Ein typisch sozialistisches und pseudo-modernes Beton-Monstrum, an dem neben dem Theater die örtliche Universität, das frühere Parteihaus und ein Blagoev-Denkmal stehen. Wenig überraschend ist das Stadion von Blagoevgrad mal wieder allerfeinste Sahne: ein bröckelnder Tempel mit großer Tribüne, der auf einem Hügel der Stadt thront und einen schönen Blick auf das Pirin-Gebirge bietet. Bei Flutlichtspielen wie heute sticht besonders das auf einem der gegenüberliegenden Berge stehende Kreuz ins Auge, das nachts beleuchtet ist. Gegründet wurde der Verein 1922 als Granit Stara Kresna, ehe er sich zunächst in Makedonska Slava (Makedonischer Ruhm) umbenannte und schließlich den Namen des Pirin-Gebirges annahm. Titel hat man noch keine geholt und ist auch immer mal wieder in der 2.Liga zu finden. Allerdings macht der Verein eine recht gute Jugendverein und brachte Spieler wie Dimitar Berbatov (u.a. Bayer Leverkusen, Manchester United), Petar Michtarski (u.a. VfL Wolfsburg, FC Porto) und Ivajlo Andonov (u.a. Arminia Bielefeld, Union Berlin) hervor. Zu Gast ist heute mit Botev Plovdiv ein großer Fisch des bulgarischen Fußballs und nach dem starken Heimauftritt vergangene Woche gegen Levski Sofia hatte ich mich schon sehr auf den Gästeblock gefreut. Dort ist allerdings im Prinzip überhaupt nichts los. Nur eine kleine Fahne hängt am Zaun, dahinter keine 50 Leute, die nur sporadisch supporten. Irgendetwas wird passiert sein, denn das ist nicht normal für Botev Plovdiv, aber mir fehlen dafür leider die Hintergründe. Auf Heimseite ist nichts los.












































