FK Ludogorets Razgrad – FK Ballkani Suhareka 4:0

Bulgarien, UEFA Champions League (1. Qualifikationsrunde)
Mittwoch, 19. Juli 2023, 21 Uhr
Razgrad, Ludogorets Arena

Ja, ich werde so langsam alt und erde mich. Und so ist in diesem Sommer zum ersten Mal ein richtiger Familienurlaub am Meer geplant. Viel habe ich in letzter Zeit über die bulgarische Schwarzmeerküste gehört – und das hat mir richtig gut gefallen. Also wird kurzerhand gebucht und es sind knapp zwei Wochen in der Touri-Hochburg Sonnenstrand geplant. Natürlich mit dem ein oder anderen Abstecher zum Fußball, aber im Mittelpunkt soll dieses Mal ausnahmsweise der Urlaub stehen. Dann macht aber ein Schicksalsschlag in der Familie all diese Planungen zunichte. Die große Frage ist nun, ob wir alle vier Flugtickets verfallen lassen oder ob ich zumindest alleine nach Bulgarien fliege. Fußball wird dort Mitte Juli bereits geboten, nichts Spektakuläres, aber es ist ja auch nur eine absolute Notfall-Tour, weil halt schon gebucht ist. Zweimal war ich bislang in meinem Leben in Bulgarien, jeweils Kurztrips, bei denen ich nur in Sofia und Plovdiv war. Bulgarien hatte mir dabei nicht schlecht gefallen, aber irgendwie hat mich dieses Land nie so sehr gereizt, um häufiger und vor allem für einen längeren Aufenthalt dort zu sein. Das wird sich nun zwangsläufig ändern. Am Anfang hatte ich gar nicht so viel Lust darauf und spekulierte mit dem Gedanken, mein Flugticket ebenfalls verfallen zu lassen, aber je näher der Abflug rückte desto mehr freute ich mich auf den Trip. 13 Tage kreuz und quer durch Bulgarien: Schwarzmeerküste, Pirin-Gebirge und Orte, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Allein der Spielplan gibt die Richtung vor. Ich steige also frohen Mutes am frühen Dienstagmorgen am Memminger Flughafen in den Flieger nach Sofia. Vom Flughafen der bulgarischen Hauptstadt geht’s mit der Metro (Ticket kostet pauschal umgerechnet 80 Cent) zum Hauptbahnhof. Mein erstes Ziel ist Razgrad im Nordosten von Bulgarien. Razgrad hat zwar einen Bahnhof, der aber ein ganzes Stück außerhalb der Stadt liegt. Zwei Umstiege wären nötig, jeweils mit kurzen Umstiegszeiten und weil mir das zu heikel ist, weiche ich auf den von mir so ungeliebten Bus aus. Glücklicherweise liegt der Busbahnhof von Sofia direkt neben dem Hauptbahnhof, so dass man dort ohnehin immer gut die Verkehrsmittel kombinieren kann. Bis der Bus nach Razgrad abfährt, muss ich noch ein paar Stunden totschlagen und kann mich ausführlich umsehen. Zwei Erkenntnisse: Die Deutsche Bahn hat einen eigenen Schalter im Hauptbahnhof, vermutlich wegen Schenker, aber es ist natürlich frustrierend zu sehen, dass die DB ihren Kernmarkt Deutschland überhaupt nicht mehr im Griff hat, aber hier in Sofia einen eigenen Schalter hat. Und zum anderen sind die Busverbindungen ins griechische Saloniki überaus gut. Die Fahrt kostet lediglich 15 Euro. Lange hatte ich ohnehin mit dem Gedanken gespielt, zwar nach Sofia zu fliegen, aber dann eine Griechenland-Tour zu machen, obwohl dort zu dieser Jahreszeit nur Europapokal geboten wird. Aber so groß war zunächst mein Widerwille, eine Bulgarien-Tour zu machen. Ich habe mich bekanntlich anders entschieden. Der Bus nach Razgrad fährt pünktlich ab und kommt auch pünktlich an. Razgrad (28.000 Einwohner) liegt in der historischen Region Ludogorie, die weitgehend deckungsgleich ist mit der heutigen Oblast Razgrad (vergleichbar mit unseren Landkreisen) und in der es noch eine bedeutende muslimische Minderheit gibt. Bulgarien gehörte lange Zeit zum Osmanischen Reich, was erklärt, warum heute etwa 12% aller Bulgaren muslimisch sind. Bulgarien hat damit den höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil aller EU-Länder. Schönes Beispiel dafür, dass der Islam eben doch zu Europa gehört. Mit Albanien, dem Kosovo, Nordmazedonien und Bosnien gibt es sogar europäische Länder mit noch höherem muslimischen Bevölkerungsanteil. Und auch Griechenland hat in West-Thrakien (grenzt direkt an Ost-Thrakien, dem europäischen Teil der Türkei) eine türkische Minderheit. In Razgrad ist das muslimische Erbe noch gut im Stadtbild sichtbar, wie ich am nächsten Tag beim obligatorischen Stadtspaziergang feststelle. Genannt sei vor allem die 500 Jahre alte Ibrahim-Pascha-Moschee, die direkt gegenüber dem im allerfeinsten Sozialmus-Stil gebauten Rathaus steht. Krasser Kontrast. Einen noch krasseren Kontrast erlebe ich allerdings, als ich mir schon mal ein Ticket für das abendliche Champions-League-Spiel gegen Ballkani Suhareka aus dem Kosovo holen will. Denn mitten in einem heruntergekommenen Plattenbauviertel steht ein hochmoderner Ticket-Counter – die offizielle Vorverkaufsstelle des FK Ludogorets Razgrad. Und spätestens da merkt man, dass das alles andere als ein normaler Verein ist. Gegründet wurde er 1945 und fristete stets ein Dasein als graue Maus ohne herausragende Erfolge. Logisch, Razgrad ist ja auch nur eine Kleinestadt in einer abgelegenen Ecke Bulgariens. 2010 übernahm der Oligarch und Pharmamilliardär Kyril Domustschiew den Verein. Dubioser Typ, der mit der Ludogorie gar nichts am Hut hat, sondern aus Sofia stammt, aber ohnehin in den USA in Nebraska lebt. Muslim ist er auch nicht, hat also selbst über die Religion keine Verbindung zur Ludogorie. Mit seiner Hilfe stieg der Verein nicht nur umgehend in die 1.Liga auf, sondern wurde in der Saison darauf prompt Meister und Pokalsieger. Mehr noch: Seit 2012 wurde der FK Ludogorets Razgrad jedes Jahr bulgarischer Meister. Domustschiew wurde dafür zum Ehrenbürger von Razgrad ernannt, auch weil er wirtschaftlich in der Ludogorie aktiv wurde. Fassen wir es zusammen: Kein Verein, den man sympathisch findet. Da sich trotz der nunmehr elf Meistertitel in Folge auch keine nennenswerte Fanszene entwickelt hat (eigentlich unfassbar!), ist das hier eher als Pflichtbesuch zu verstehen, auch wenn das Stadionumfeld mit den Plattenbauten und ein paar Imbissen durchaus Laune macht. Der große Traum von Domustschiew, der zugleich Vereinspräsident ist, ist es nun, auch international durchzustarten, was bislang aber verwehrt blieb. Zumindest mit den Kosovaren hat man heute Abend in der Ludogorets Arena (die inzwischen den Namen von einem Pharmakonzern von Domustschiew trägt) aber keine Probleme.






































 

DJK Gramschatz – SG Arnstein/Reuchelheim/Heugrumbach 2:5

Deutschland, Testspiel
Sonntag, 16. Juli 2023, 17 Uhr
Rimpar, Sportplatz Gramschatz

Zum Abschluss geht es in den Rimparer Teilort Gramschatz, der ja auch dem angrenzenden Waldgebiet und dem zuvor besuchten Autohof seinen Namen gegeben hat. So tief unten in der Liga-Pyramide hat selbst in Bayern noch nicht der Pflichtspielbetrieb begonnen, zumindest nicht im Kreis Würzburg, so dass es nur Testspiel-Kost gibt. Man befindet sich aber bereits auf der Zielgeraden der Saisonvorbereitung, entsprechend gehaltvoll ist das Gebolze auf dem Rasen. Ein kleiner Grashügel und ein wirklich schöner Blick auf den Ort sind die Pluspunke des Gramschatzer Sportplatzes. Nach dem Abpfiff wartet auf mich dann endlich wieder die baden-württembergische Heimat.










 

TSV Lengfeld – TSV Großbardorf 4:6 n.E.

Deutschland, Bayern-Pokal (Qualifikationsrunde)
Sonntag 16. Juli 2023, 15 Uhr
Würzburg, Kürnachtalstadion

Von Borsch aus geht es weiter in Richtung Süden in den Würzburger Stadtteil Lengfeld. Ich komme auf der Autobahn gut voran, weshalb ich beschließe, mal im Autohof Gramschatzer Wald einzukehren. Das hatte ich mir schon lange mal vorgenommen, weil ich schon viel davon gehört habe. Dort gibt es noch so richtiges Essen wie früher an jeder Autobahnraststätte. Heute gibt es ja fast nur noch Fast-Food-Ketten – wenn überhaupt. Dass ich zunächst gar keinen Sitzplatz bekomme, zeigt mir dann deutlich, wie beliebt der Laden ist und dass die Leute so etwas offenbar doch vermissen. Das Essen selbst haut natürlich nicht vom Hocker, aber ist okay. Hier geht’s einfach um die Atmosphäre. Viel Zeit kann ich mir aber nicht lassen, denn der TSV Lengfeld ruft. Hier in Bayern beginnt die Saison ja so früh wie nirgendwo anders in Deutschland und so gibt es bereits seit Anfang Juli Pflichtspiele zu sehen. In diesem Fall wird die sogenannte dritte Qualifikationsrunde des bayrischen Landespokals ausgetragen, also die letzte Hürde vor dem eigentlichen Hauptwettbewerb. In Bayern sind lediglich die Dritt- und Regionalligisten sowie die 24 Kreispokalsieger für den Hauptwettbewerb gesetzt. Für letztere gilt ja diese bayrische Besonderheit, dass sie sich ihre Gegner selbst aussuchen dürfen und nicht gelost wird. Ober- und Landesligisten müssen dagegen in die Qualifikationsrunde. Der TSV Lengfeld ist inzwischen zwar nur noch Bezirksligist, spielte aber vergangene Saison noch in der Landesliga und darf somit an ihr teilnehmen. Allzu groß scheint das Interesse beim örtlichen Publikum nicht zu sein, denn viele Zuschauer sind nicht da. Es ist heute aber auch brutal heiß. Geöffnet hat dafür die Wurstbude und die kredenzt – wie in Franken üblich – erstklassige Ware. Für mich total unverständlich, warum es im eigentlichen Bayern das meiner Meinung nach schlechteste Sportplatz-Catering Deutschlands gibt (meist nur kalte belegte Brötchen oder halt einfach gar nichts) und im Gegensatz dazu der fränkische Landesteil mit das beste Deutschlands anbietet.