Racing White Daring Molenbeek FC - Royal Excelsior Virton 3:1

Belgien, Division 1B (2.Liga)
Sonntag, 11. Dezember 2022, 13.30 Uhr
Molenbeek-Saint-Jean, Stade Edmond Machtens

Der Zweitliga-Spielplan für den heutigen Sonntag ist einfach nur genial. Drei Spiele sind mit den Anstoßzeiten 13.30 Uhr, 17 Uhr und 20.30 Uhr angesetzt. Alle drei Grounds fehlen uns noch und alle drei liegen nah genug beieinander, um überall 90 Minuten zu sehen. Danke! Erster in dieser Reihe ist der Racing White Daring Molenbeek FC und anhand des sehr sperrigen Vereinsnamens merkt man schon, dass da nicht immer alles linear gelaufen ist. Tatsächlich war der Club mit seinen Vorgängervereinen schon mal fast überall in der Hauptstadt-Region beheimatet. Am Anfang des Stammbaums steht der 1891 gegründete Racing Club de Bruxelles, der ein Schwergewicht in den Anfangstagen des belgischen Fußballs war und zwischen 1897 und 1908 stolze sechsmal Meister wurde. Er war auch 1895 Gründungsmitglied des belgischen Fußballverbands. Der Racing Club de Bruxelles spielte in Uccle bzw. Ukkel, Dort fand 1904 auch das erste kontinentale Länderspiel der Welt statt (zwischen Belgien und Frankreich), bei dem der Entschluss gefasst wurde, die FIFA zu gründen, was noch im gleichen  Jahr passierte. Für den Racing Club des Bruxelles folgten Fusionen mit den Vereinen White Star (1909) und dem fünffachen Meister Daring Molenbeek (1973), die in den Vereinsnamen aufgenommen wurden. 2002 kam es zur ersten Insolvenz und Auflösung von RWD Molenbeek, 2014 zur zweiten. Um es abzukürzen: 2015 wurde ein neuer Verein unter dem Namen RWD Molenbeek gegründet, der formal nichts mit dem alten zu tun hat, aber als der alte Verein wahrgenommen wird. Er spielt ebenfalls im 1920 eröffneten Stade Edmond Machtens, das vom damaligen Racing Club des Bruxelles gebaut wurde. Vom Stade du Sippelberg aus lässt sich das nur 1500 Meter entfernte Stade Edmond Machtens hervorragend zu Fuß erreichen, wobei ich genau das Molenbeek zu Gesicht bekomme wie ich es mir vorgestellt hatte: Moscheen, muslimische Metzger und aufgrund der Fußball-WM reihenweise Marokko-Fahnen, die in den Fenstern hängen. Vertraut süddeutsch geht es dagegen im Stadion zu, zumindest am Rand der Haupttribüne, wo sich der Hopper-Tross um Mäddes, Przemyslaw und Freezy niedergelassen hat, zu dem auch ich mich geselle. Von der Haupttribüne aus hat man auch die beste Sicht auf die dahinterliegenden Hochhaussiedlungen, die typisch Molenbeek sind und dem Stadion die Krone aufsetzen. Das Stadion an sich ist schon richtig geil, aber in Kombination mit diesem Hintergrund auf jeden Fall Top 5 in Belgien! Und das obwohl die Konkurrenz in Belgien – dem Tschechien des Westens – wirklich groß ist. Als Sahnehäubchen obendrauf gibt es eine sehr französisch angehauchte Ultrasszene von RWD Molenbeek, die zwar keine Bäume ausreißt und immer mal längere Pausen einlegt, aber doch sehr gut ins Bild passt. Dass auch noch ein schmieriger Burger-Wagen neben der Haupttribüne steht und eine wie in Belgien üblich gute Saucen-Auswahl zu bieten hat, die weit über Senf und Ketchup hinausgeht, lässt mich endgültig zufrieden sein. Aber das war ja erst der Anfang. Denn nach Abpfiff geht es rein in Freezys ebenso schmierige Karre und ab nach Antwerpen.