Belgien, Division 1B (2.Liga)
Sonntag, 11. Dezember 2022, 17 Uhr
Antwerpen, Olympisch Stadion
1920 fanden die Olympischen Spiele in Antwerpen statt. Kein Olympia, das in Erinnerung blieb, auch wenn hier zum ersten Mal die Olympischen Ringe gezeigt wurden. Übrig geblieben ist von den Spielen von 1920 jedoch das Olympiastadion. Und das nutzt der Koninklijke Beerschot Voetbalclub Antwerpen als Heimstätte. Man darf allerdings keine uralte Traum-Schüssel erwarten, denn im Lauf der Jahrzehnte wurde das Antwerpener Olympiastadion Stück für Stück zu einem reinen Fußballstadion umgebaut. Wenn man es nicht weiß, dann merkt man nicht, dass es ein über 100 Jahre altes Olympiastadion ist – denn es deutet überhaupt nichts darauf hin. Es ist wirklich nur noch der Name. Ähnlich wie zuvor RWD Molenbeek blickt auch Beershot auf eine Geschichte voller Fusionen, aber auch auf nationale Titel. So war wurde mit Germinal Ekeren einer der Vorgängervereine 7x belgischer Meister. Zuletzt wurde 2013 der erst zwei Jahre zuvor aus der Taufe gehobene Beerschot AC nach finanziellen Problemen und einem Matchkampf im Vorstand aufgelöst. Seine Tradition griff der FC Olympia Wilrijk auf – ebenfalls ein Fusionsverein und ebenfalls im Süden von Antwerpen ansässig. Er nannte sich um in KFCO Beerschot Wilrijk und übernahm die Vereinsfarben Lila und Weiß. Die Fans gingen diesen Schritt mit und unterstützen seither diesen Verein, der sich schließlich 2019 den heutigen Namen Koninklijke Beerschot Voetbalclub Antwerpen gab. Ein besonderer Blick lohnt sich dabei auf die Stammnummer. Die ist in Belgien von besonderer Bedeutung und kennzeichnet die Reihenfolge der Aufnahme in den belgischen Fußballverband. Ältester Verein Belgiens ist Royal Antwerpen, der damit die Stammnummer 1 hat, die er auch stolz im Vereinswappen zeigt. Die Formel lautet: Je niedriger die Stammnummer desto mehr Tradition. Und gerade bei Fusionen wird darauf geachtet, möglichst die niedrigere Stammnummer zu übernehmen. Der 2013 aufgelöste Beerschot AC wollte bei seiner Umbenennung 2011 eigentlich die Stammnummer 13 des ältesten Fusionspartners übernehmen. Um jedoch in der 1.Liga antreten zu dürfen, übernahm er den Startplatz seines Vorgängers Germinal Beerschot und musste damit auch die unliebsame Stammnummer 3540 übernehmen. Auf richtig bizarre Art streute der Verein aber immer irgendwo Hinweise auf die Nummer 13 ein. So nahm er etwa in sein Vereinswappen das Maya-Symbol für die Zahl 13 auf. Und ganz irre: Die Spielfeldmaße des Olympiastadions betragen 104 Meter (13x8) mal 65 Meter (13x5), wobei 8 plus 5 ebenfalls 13 ergibt. Da sind wirklich absolute Freaks am Werk gewesen! In so ein Irrenhaus muss man gut gestärkt gehen und da passt es perfekt, dass kurz vor dem Stadion eine Frituur liegt, in der wir alten Herren uns Fritten und Frikandel reinschaufeln können, während Jungspund Freezy schon mal dankenswerterweise die Tickets organisiert, damit es dann schnell geht. Im Olympiastadion erwartet uns alles andere als ein ausverkauftes Haus, was bei dem Gegner aber kein Wunder ist. Stimmungsmäßig herrscht nahezu tote Hose, was ebenfalls kein Wunder ist, denn hier oben in Flandern wird der britische Supportstil bevorzugt. Ganz selten wird mal etwas angestimmt, aber koordiniert ist das nicht und flacht dementsprechend schnell wieder ab.